Digital TV im Vergleich

Ich habe für saldo einen Artikel zum Thema Digital TV geschrieben. In letzter Zeit hat sich in der Schweiz diesbezüglich ja viel getan. Aus Platzgründen wurde der Artikel leider kürzer als erhofft. Hier poste ich nun die ausführlichere Version.

Digital-TV ist günstiger geworden. Aber gratis sind die Angebote nicht – auch wenn die Werbung das verspricht. saldo sagt, wann welche Kosten anfallen.

 Swisscom und Cablecom verlangen seit ein paar Monaten für ihr digitales TV-Grundangebot keine Abokosten mehr. Ab 21. April zieht auch Sunrise nach. Das Grundangebot umfasst jeweils 50 bis 60 Fernsehsender, einige davon in hochauflösender Qualität (HD, siehe Tabelle).

Das heisst aber nicht, dass man gratis fernsehen kann. Kostenpflichtig ist mindestens der Anschluss ans jeweilige Netz. Das Grundangebot ist bei Cablecom am günstigsten: Jedes TV-Gerät mit integriertem DVB-C-Empfänger lässt sich direkt mit einem Antennenkabel anschliessen. Digitale Signale sind so sofort und ohne zusätzliche Box empfangbar. Cablecom verlangt für den Anschluss pro Jahr Fr. 340.80 (Fr. 28.40 pro Monat). In diesem Preis ist neben digitalem TV auch ein Internetanschluss mit einer Bandbreite von 2000 kbit pro Sekunde enthalten.

Sunrise: Digital-TV nur kombiniert mit Festnetz und Internet erhältlich

Bei Swisscom und Sunrise braucht es fürs das Grundangebot neben einem Telefonanschluss ein kostenpflichtiges Internetabo. Swisscom verlangt dafür pro Jahr Fr. 712.20 oder Fr. 59.35 pro Monat, Sunrise mindestens 660 Franken pro Jahr (55 Franken pro Monat). Sunrise-TV-Kunden, die zusätzlich ein Handy-Abo mit mindestens 45 Franken Grundgebühr haben, erhalten 15 Franken Rabatt. Das Angebot muss bei  beiden Anbietern aktiv bestellt werden. Anders als bei der Cablecom benötigt der Nutzer  eine Box, um die digitalen Sender empfangen zu können. Bei Sunrise fällt einmalig eine Aufschaltgebühr von CHF 149.– an.

Die Anbieter decken jeweils nicht alle Haushalte ab, Cablecom erreicht mit dem TV-Angebot nach eigenen Angaben  rund 70 Prozent der Schweizer Haushalte, Swisscom und Sunrise über 90 Prozent. Sunrise nutzt für das TV-Angebot grösstenteils das Swisscom-Netz. Weitere kleinere Anbieter von Digital-TV auf dem Schweizer Markt sind Green, TalkEasy sowie verschiedene Kabelnetzbetreiber (Übersicht: http://www.quickline.com).

Wer sich für das  Grundangebot entscheidet, kann jedoch von vielen  Vorteilen des digitalen Fernsehens nicht profitieren. Die  Zusatzfunktionen wie Sendungen stoppen (Live Pause), später anschauen (Replay TV) oder aufnehmen sind nicht enthalten. Ebenso wenig Filme oder Sendungen auf Abruf. Diese Funktionen erhalten die Kunden erst bei teureren Abos.  Die Fülle der Angebote ist gross: Die Swisscom bietet mit Kombiangeboten elf Abovarianten, die Cablecom gar zwölf, bei Sunrise sind es drei. Im saldo-Vergleich berücksichtigt sind neben dem Grundangebot das jeweils günstigste Abo mit Zusatzfunktionen sowie das Komplettangebot mit allen verfügbaren Funktionen.

Bei den Abos mit Zusatzfunktionen haben die Anbieter die Prioritäten unterschiedlich gesetzt: Bei Cablecom sind in der günstigsten Variante Aufnahmen möglich, dafür aber nur 70 Sender enthalten. Bei Swisscom TV erhalten die Kunden deutlich mehr Sender. Zudem können sie für 70 Sender Replay TV  nutzen. Als einzige bietet Swisscom zudem Sport auf Abruf.  Aufnahmen sind dagegen bei diesem Angebot nicht möglich.

Sunrise hat kein preislich vergleichbares Abo. Bei Sunrise gibt es Digital TV ausschliesslich in Kombination mit Festnetz und Internet.  Dafür bietet Sunrise das günstigste Komplettpaket mit allen Funktionen und die grösste Senderauswahl.

Während digitales Fernsehen bei Cablecom über das Kabelnetz verbreitet wird, übertragen Swisscom und Sunrise das Signal über das Internet (ip-TV).  Das hat Folgen. TV-Zuschauer und Internetsurfer im gleichen Haushalt müssen sich die Bandbreite teilen. Das Fernsehen hat dabei Priorität. Das bedeutet, dass das gleichzeitige Surfen  eingeschränkt sein kann. Spürbar ist dies, wenn die Bandbreite nicht ausreichend ist.  Entscheidend ist nicht, welches Internetabo man zahlt, sondern welche Geschwindigkeit am eigenen Wohnort maximal möglich ist.

Ist die Bandbreite sehr gering, ist das Fernseherlebnis gestört. Nutzer berichten, dass in diesem Fall HD-Sender nicht verfügbar sind oder es nicht möglich ist, neben einer Aufnahme HD-Sender anzuschauen. Die Cablecom ist hier im Vorteil: Ihr Netz hat eine wesentlich höhere Kapazität als  die Netze von Swisscom und Sunrise. Deshalb ist es möglich, unbegrenzt viele Fernseher zu nutzen und pro Box bis zu vier Aufnahmen gleichzeitig auszuführen. Hier vermag die Konkurrenz nicht ganz mitzuhalten. Bei der Swisscom sind maximal drei Boxen und drei  gleichzeitige Aufnahmen pro Box möglich. Bei Sunrise gibt es gar keine Zusatzboxen und es können höchstens zwei Sendungen aufgezeichnet werden.

Bei allen Angeboten klagen Kunden über Bildausfälle

Bezüglich Bedienung der Box haben Swisscom und Sunrise die Nase vorn. Eine nicht repräsentative Kundenumfrage zeigt, dass die Plattformen als benutzerfreundlich und logisch empfunden werden. Anders bei der neuen Horizon-Box der Cablecom. Sie braucht oft mehr Schritte, um zum Ziel zu kommen, weil  die Kunden weniger Funktionen direkt über die Fernbedienung anwählen können als bei der Konkurrenz. Suchfunktion oder On Demand werden als unübersichtlich empfunden. Bei allen Anbietern berichten Kunden von gelegentlichen Bildausfällen. Dafür machen die Anbieter die Hausinstallation verantwortlich. Am zufriedensten mit dem Gesamtpaket waren in der Umfrage die Swisscom-TV-Kunden.

Andreas Toscan ist Betreiber des Internetforums digi-tv.ch und kennt den Schweizer Digital-TV-Markt gut. Er teilt die Nutzerbeobachtungen: “ SwisscomTV punktet sowohl beim Angebot mit Live-Sport und Replay-TV als auch bei der Qualität ist darum im Schweizer Markt führend.“

Tabelle

digitv

Comeback TV von Sunrise wird in den Folgejahren kostenpflichtig

Sunrise hat im Rahmen der Einführung von Sunrise TV die Funktion Comeback TV stark beworben. Das unterscheide Sunrise TV von der Konkurrenz. Comback TV ermöglicht es einem, 40 Sender auszuwählen, auf denen man Verpasstes bis 28 Stunden später nochmals anschauen kann. Diese Funktion erhalten im ersten Jahr alle Kunden gratis. Kaum kommuniziert wurde, dass dies nicht so bleibt. Auch nach Ablauf des Jahres können Kunden Comback TV nutzen. Allerdings nur während 10 Tagen pro Monat. Wer mehr will, muss eine Option (wieder mal…) kaufen für 10 Franken im Monat.

Ob dies dann wirklich so sein wird, bezweifle ich ein wenig. Denn bis spätestens Mitte Jahr führt auch Swisscom diese Funktion ein und zwar für 70 Sender und kostenlos. Verfügbar ist das Swisscom Angebot für Swisscom TV plus-Kunden. Ob Sunrise unter dem Konkurrenzdruck kostenpflichtig bleiben kann, wird sich zeigen. Ich fürchte ohnehin, dass das Angebot reichlich spät kommt. Die Konkurrenten konnten sich längst etablieren und auch bezüglich Preis ist Sunrise nicht im Vorteil. Das vergleichbare Paket Vivo Casa **** von Swisscom kostet gleich viel, nämlich 125 Franken, das Power Combi der upc-Calecom ist für 127.20 Franken zu haben. Unterschiede gibt es bei diesen Paketen bezüglich Telefonie und Internet. Upc-Cablecom hat bei der Internetgeschwindigkeit (100 Mbit/s) die Nase vorn (20 Mbit/s bei Sunrise und Swisscom), dafür gibt es bei Sunrise und Swisscom zusätzliche Rabatte für Handykunden. Eine kleine Übersicht lässt sich hier anschauen.

Ergänzung Mai 2012: Ab Juni ist ComeBack TV gemäss Sunrise neu unbeschränkt gratis im Paket Sunrise TV Set comfort enthalten. Beim Einsteigerpaket Sunrise TV Set start sind weiterhin fünf Sendungen pro Montag inbegriffen. Kunden, die sich für Sunrise TV Set start entschieden haben und ComeBack TV für mehr als fünf Sendungen pro Monat nutzen möchten, können die entsprechende Option für CHF 10.- pro Monat t am Fernseher im Menu buchen. Zudem sagt Sunrise, die Zahl der verfügbaren Stunden werde bald von 28 auf 30 erhöht.

Sunrise bietet neu ISDN comfort an – Festanschluss mit bis zu 3 Rufnummern

Das neue ISDN-Angebot von Sunrise erscheint mir attraktiv:

Wer einen Internetanschluss von Sunrise hat, kann diesen um die Option ISDN comfort erweitern. Damit können bis zu 3 Rufnummern genutzt werden, zwei davon gleichzeitig.  Die Kosten betragen 9.90 Franken pro Monat.
Zum Vergleich: Bei Swisscom zahlt man für Multiline ISDN mit 3 Nummern 17.75 Franken mehr als für einen analogen Anschluss.  Berechnet man, was man für Internet und ISDN bezahlt, ist der Unterschied noch grösser. Bei Sunrise kommt man mit ADSL 5000 (click&call 5000+) auf 68.90 Franken, bei der Swisscom auf 92 Franken. Bei der Cablecom gibt es einen Zusatzanschluss (zwei Nummern) für 10 Franken. Das Kombi-Angebot mit zwei Festnetz-Anschlüssen und schnellem Internet (Fiber Power internet20!)  kostet 72.50 Franken.

Für das Einrichten von Sunrise ISDN comfort erhält der Kunde ein voreingestelltes Anschlussgerät (AVM FRITZ!Box), welches das bestehende ISDN Abschlussgerät (NT) sowie den ADSL Router ersetzt.   Bestehende Telefon- und Faxgeräte können gemäss Sunrise weiterbenutzt werden, seien diese nun analog oder ISDN. Individuelle Einstellungen werden über den Internet-Browser vorgenommen.

Leider gibt es einen kleinen Haken: Das Angebot ist nur bei entbündelten Anschlüssen erhältlich, rund 20 Prozent der Sunrise-Kunden können davon also noch nicht profitieren. Zudem gilt es zu beachten: Das Sunrise ISDN ist kein echtes ISDN, es handelt sich um Internettelefonie.

Geld für Anbieterwechsel

Wer sich derzeit bei einem neuen Anbieter verpflichtet, erhält fast überall Geld dafür bzw. Gutschriften.

Beispiel Cablecom:

Wer zu Cablecom Internet wechselt erhält 100 Franken auf der nächsten Rechnung gutgeschrieben, bei einem Wechsel zu Digital Phone sind es 50 Franken.

Beispiel Sunrise:

Beim Online-Abschluss eines neuen Abos gibt es ein Guthaben von 100 Franken, das in 4 Monatsraten zur Verfügung steht, also vier mal 25 Franken. Dies gilt für Handyabos ebenso wie für Take-Away oder Click&Call-Angebote.

Bei Sunrise profitieren auch bisherige Kunden von  einer Gutschrift von 100 Franken. Beziehen können sie diese, wenn sie ihr Abo erneuern und ein neues Handy oder Notebook beziehen.

Beispiel Orange:

Bei Online-Neuabschluss eines Optima, Optima Pro, Maxima oder Universa Unlimited Abos für 24 Monate erhält der Kunde 100. Franken als Gutschrift auf die  Rechnung. Die Gutschrift  erfolgt auf die nächsten zwei Rechnungen zu je 50 Franken.
Bei Online-Neuabschluss eines Abos für 3 oder 12 Monate gibt’s noch 50 Franken Gutschrift. Ebenso für den Neuabschluss eines Internet Everywhere, Prima, X-treme und X-treme Unlimited Abos für 12 oder 24 Monate.

Die Swisscom bietet  derzeit keine solchen Wechsel-Prämien.

Cablecom-TV-Kunden erhalten kostenlose Internetverbindung

Die Cablecom lanciert ein neues Basisangebot für digitales Fernsehen via Kabel.  Es kostet zusätzlich zu den Anschlusskosten 4 Franken pro Monat mit einer interaktiven HD-Set-Top-Box oder einmalig 99 Franken mit einer DigiCard. Zudem  beinhaltet der Kabelanschluss neu eine kostenlose Internetverbindung. Eigentlich toll, doch die Übertragungsrate von 300 kbit/s ist etwas gar mager, um damit auftrumpfen zu können. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Standard-Anschluss der Cablecom Übertragungsraten von 10 000 kbit/s ermöglicht. Mit 300 kbit/s kann man gerade  mal einfache Emails versenden. Bei grösseren Dateianhängen ist bereits Geduld gefragt und auch das Surfen ist recht gemächlich. Wer hin und wieder Musik- oder Filmdateien herunterladen oder Voip nutzen will, braucht in der Regel eine höhere Datenrate. Ich gehe davon aus, dass der Grossteil der Cablecom-Kunden  einen schnelleren Anschluss hat (teils wohl auch ADSL) und diesen auch behalten will. Diesen Nutzern nützt die Aktions nichts. Im Gegenteil: Sie müssen den (zwar kleinen) Aufpreis von 70 Rappen pro Monat aufgrund der „erweiterten Möglichkeiten“ für die Anschlusskosten berappen, ohne diese Möglichkeiten nutzen zu können. Doch wer weiss, vielleicht bessert Cablecom nach und vergünstigt auch andere Surf-Abos.